Wattenmeer-Nachbarn vereinbaren mehr Klimaschutz – Wissenschaft

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Die Klimakrise, der Artenschwund und die zunehmende Industrialisierung setzen das Wattenmeer unter Druck. Auf einer Konferenz vereinbaren die drei Bewohner, noch mehr für den Schutz des sensiblen Ökosystems zu tun.

Von dpa

Lesezeit: 3 Minuten

das Wattenmeer

Das Watten vor dem Strand in Dangast in Niedersachsen. Am 1. Dezember 2022 endet die 14. trilaterale Wattenmeerkonferenz zwischen Deutschland, Dänemark und den Niederlanden.

Foto: DPA/Sina Schuldt

Wilhelmshaven (dpa) – Mehr natürlicher Klimaschutz, maritime Sicherheit und gemeinsame Forschung: Deutschland, Dänemark und die Niederlande haben bei ihrer gemeinsamen Wattenmeerkonferenz in Wilhelmshaven vereinbart, beim Schutz des UNESCO-Weltnaturerbes noch enger zusammenzuarbeiten.

Dabei soll auch ein umfassender Managementplan helfen, der unter deutschem Vorsitz der Wattenmeerkooperation in den vergangenen vier Jahren entwickelt wurde. Mit ihm sollen die Bemühungen, die zum Schutz des Wattenmeeres in den Ländern bestehen, besser koordiniert werden.

„Die Stärke ist jetzt, dass wir einen Plan haben, der jetzt umsetzbar ist“, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Bettina Hoffmann, die stellvertretend für die erkrankte Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) an der Konferenz teilnahm. . ). Auf der alle vier Jahre stattfindenden Regierungskonferenz einigen sich die Regierungsvertreter der Wattenmeerländer auf ihren gemeinsamen Aktionsplan. Darüber hinaus diskutierten mehr als 250 Experten aus Verbänden und Institutionen in zahlreichen Workshops und Veranstaltungen. Nun übernimmt Dänemark den Vorsitz.

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Aufgrund der laufenden Regierungsbildung in Dänemark wurde die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung, wie sie bei den Wattenmeerkonferenzen üblich ist, in Wilhelmshaven verschoben. Dies muss nun geschehen, nachdem in Dänemark eine neue Regierung ihr Amt angetreten hat. Allerdings einigten sich die Staaten in einer gemeinsamen Erklärung auf Handlungsfelder. Ein Überblick:

Natürlicher Klimaschutz

„Auch im Kampf gegen die Klima- und Biodiversitätskrise kann das Wattenmeer einen wertvollen Beitrag leisten“, sagte Hoffmann. Salz- und Salzwiesen etwa können „erhebliche Mengen“ klimaschädlicher Gase aufnehmen. „Diese Funktion möchten wir gemeinsam mit den Küstenstaaten durch umfassende Maßnahmen im Rahmen des Aktionsprogramms zum natürlichen Klimaschutz stärken“, sagte Hoffmann.

Gemeinsame Forschung

Um die Folgen des Klimawandels und menschlicher Aktivitäten für das Wattenmeer weiter zu erforschen, wollen die Bewohner ein gemeinsames koordiniertes Forschungsprogramm auflegen. Dafür müssen Mittel in Höhe von 15 Millionen Euro bereitgestellt werden, davon will Deutschland elf Millionen Euro bereitstellen. Die gemeinsame Forschung zielt auch darauf ab, Grundlagen und Maßnahmen zu entwickeln, um das Wattenmeer widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen.

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Öl- und Gasförderung

Umweltschutzgruppen hatten gefordert, dass die Anwohner dem Ausstieg aus der Öl- und Gasförderung im Wattenmeer bis 2030 zustimmen. Ein gemeinsames Ziel hatten die Anwohner dafür nicht. Die Regierungsvertreter verwiesen auf nationale Pläne. Christianne van der Wal, niederländische Ministerin für Naturschutz und Stickstoff, sagte, dass im Wattenmeer sowohl Naturschutz als auch wirtschaftliche Aktivitäten erforderlich seien. „Ich halte es für falsch, einfach zu sagen: Wir stellen die wirtschaftlichen Aktivitäten komplett ein, aber man muss eine Balance finden, damit beide Teile erreicht werden können.

Offshore-Windkraft

Die Wattenmeernachbarn wollen den Ausbau der Offshore-Windenergie koordinieren, der in den nächsten Jahren in der Nordsee auftauchen und auch das Wattenmeer betreffen wird. „Es ist genau die Aufgabe, dass wir es so machen, dass der Eingriff so gering wie möglich gehalten wird“, sagt Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt (De Grønne). Um nicht immer wieder Stromleitungen von den Windparks zum Festland durch das Wattenmeer verlegen zu müssen, sollten Trassen gebündelt und Kabel stärker sein.

Maritime Sicherheit

Um Unfälle wie den des Containerfrachtschiffs MSC Zoe 2019 zu verhindern, haben sich die Staaten darauf verständigt, das vor 20 Jahren eingerichtete Sonderfahrgebiet für das besonders sensible Wattenmeer zu evaluieren und gegebenenfalls weitere Maßnahmen zum besseren Schutz der International Maritime Organization vorzuschlagen . Was es sein könnte, war zunächst offen. Zuletzt wurde über den obligatorischen Einbau von Neigungssensoren in Schiffen diskutiert, mit denen Kapitäne frühzeitig gewarnt werden können.

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Umweltschutzorganisationen wie der WWF sehen trotz vereinbarter Projekte weiteren Handlungsbedarf. „Die Unterwasserwelt der Nationalparks im Wattenmeer ist noch fast flächendeckend befischbar, ein Ende der Förderung von fossilem Öl und Gas ist auch im Schutzgebiet noch nicht in Sicht, und Hamburg will Millionen lagern tonnenweise Elbschlamm bei der Vogelinsel Scharhörn mit großen Schäden für die Nationalparks”, klagt der Leiter des WWF-Wattenmeerbüros, Hans-Ulrich Rösner.

Am Rande der Konferenz wurden auch Vereinbarungen zu mehr Umweltschutz getroffen. So haben sich beispielsweise 39 Umweltschutzverbände, Hafenunternehmen und Wirtschaftsverbände darauf verständigt, Schifffahrt und Häfen im Weltnaturerbe nachhaltiger zu gestalten. Demnach müssen die Lichtverschmutzung reduziert und Baggerarbeiten in Häfen umweltfreundlicher gestaltet werden. Bereits am Montag haben sich deutsche Motoryacht-Clubs und Segelverbände in einer Selbstverpflichtung verpflichtet, den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen im Freizeitverkehr voranzutreiben. Die Unterzeichner wollen daher, dass ab 2026 keine Schiffe und Boote mit fossilen Verbrennungsmotoren mehr angeschafft werden.

© dpa-infocom, dpa:221130-99-726826/2

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